Neue Pflegenoten

Pflegenote durch MDK Gutachten

Die derzeitigen Pflegenoten haben in der Bundesrepublik im Moment nur wenig Aussagekraft. Daher will die Bundesregierung mit einer neuen Auswertung des Pflege-TÜV die Qualitätsunterschiede in Pflegeheimen transparenter machen. Mit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz von 2008 wurden die Prüfergebnisse des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) verständlicher für die Öffentlichkeit gemacht. Dazu wurde von den Trägern der Pflegeeinrichtungen eine neue Begutachtungsstruktur nach Noten eingeführt.

Somit sollten die Betroffenen bei den Angeboten der Dienste und Heime einen besseren Überblick über die Qualität der Leistungen bekommen. Leider hat sich das neu eingeführte Notensystem nicht bewährt, denn die Pflegenoten besitzen bis heute nur wenig Aussagekraft. Dies soll sich nun ändern. Die Bundesregierung will spätestens 2019 eine Neuregelung beschließen. Doch was sind Pflegenoten eigentlich, warum werden diese gebraucht und was wird daran kritisiert?

 

Was sind Pflegenoten?

Mit den sogenannten Pflegenoten sollen in Deutschland Pflegeheime und -dienste vom medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) nach ihrer Qualität bewertet werden. Die jeweiligen Noten werden von den Landesverbänden der Pflegekassen vergeben. Die Pflegebedürftigen und die Angehörigen sollen somit einen besseren Überblick, über die Qualität der Leistungen, von ambulanten und stationären Pflegediensten erhalten. Auch soll die Qualität der Leistungen besser miteinander vergleichbar und übersichtlicher werden.

 

Warum Pflegenoten?

Die Pflegenoten dienen den Angehörigen als Hilfe für die Wahl der richtigen Pflegeeinrichtung. In den Transparenzvereinbarungen wurden verschiedene Bewertungskriterien mit unterschiedlichen Qualitätsbereichen definiert. Diese Kriterien dienen zur Feststellung der Qualität eines Pflegeheims oder eines Pflegedienstes. Dazu wurden die einzelnen Begutachtungspunkte in stationäre und ambulante Bereiche aufgeteilt. Dabei wird jedes Bewertungskriterium mit Hilfe einer Skala von 0 bis 10 bewertet. Daraus ergibt sich nach Berechnung der Daten ein Wert von sehr gut bis mangelhaft. Zum Schluss wird der Gesamtwert ermittelt und dem Vergleichswert des jeweiligen Bundeslandes gegenübergestellt.

 

Welche Bewertungskriterien gibt es?

In den Transparenzvereinbarungen stehen verschiedene Bewertungskriterien nach denen der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Pflegeeinrichtungen beurteilt und benotet. Dabei unterscheidet man zwischen Qualitätsbereichen der ambulanten und der stationären Pflege:

Qualitätsbereiche für den stationären Bereich

  1. Medizinische Versorgung und Pflege (35 Beurteilungskriterien)
  2. Umgang mit demenzkranken Menschen (10 Beurteilungskriterien)
  3. Gestaltung des Alltags und soziale Betreuung (10 Beurteilungskriterien)
  4. Hygiene, Verpflegung, Hauswirtschaft und Wohnen (9 Beurteilungskriterien)
  5. Bewohnerbefragung (18 Kriterien)

 
Qualitätsbereiche für den ambulanten Bereich

  1. Leistungen in der Pflege (17 Bewertungskriterien)
  2. Leistungen, die ärztlich verordnet wurden (10 Bewertungskriterien)
  3. Organisation, Planung und Dienstleistung (10 Bewertungskriterien)
  4. Kundenbefragung (12 Bewertungskriterien)

 

Kritik an Pflegenoten wächst

Die bisherige Beurteilung der Pflegenoten stößt auf starke Kritik. Das Problem sind die meist sehr guten Durschnittswertungen der Pflegeeinrichtungen. So werden die Unterschiede in der Qualität der Leistungen für die Angehörigen nicht deutlich. Der Grund dafür ist die allgemeine Berechnung, denn die Werte werden über alle geprüften pflegebedürftigen Menschen und bewerteten Kriterien berechnet.

Somit können jedoch Mängel in einem relevanten Bereich durch ein weniger wichtiges Kriterium ausgeglichen werden. Die Prüfungsergebnisse unterscheiden sich eigentlich deutlich voneinander, jedoch werden die Pflegeanbieter wegen des anfälligen Systems größtenteils mit “sehr gut” bewertet. 40 % der Pflegedienste und 26 % der Pflegeheime bekommen als Bewertung eine 1,0.

 

Pflegenoten sind umstritten

Zu dieser Kritik kommt auch noch eine wissenschaftliche Komponente. Es gibt immer noch keine klaren pflegewissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die Lebens- und Ergebnisqualität der pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik. Dazu kann die Bewertung sehr ungerecht für den einzelnen Pflegedienstleister ablaufen. Denn die Notenfindung wird vor allem auch durch die dokumentierten Leistungen der Pflegeheime und Pflegedienste beeinflusst.

Leistungen die nicht dokumentiert wurden, werden bei der Begutachtung auch nicht berücksichtigt. So kann es zu unfairen Bewertungen kommen. Zudem sind die Prüfergebnisse nicht immer valide. Die Begutachtungen werden in verschiedenen Regionen von unterschiedlichen Prüfern durchgeführt. So entsteht eine ungleiche Bewertung der Pflegeheime und Pflegedienste.

 

Bundesregierung will Pflege-TÜV aufwerten

Dieser Probleme will sich die Bundesregierung in Zukunft annehmen und den Pflege-TÜV überarbeiten und aufwerten. Zu diesem Zweck wurde ein Qualitätsausschuss gegründet, der ein neues Qualitätsbewertungs- und Veröffentlichungsystem für die Einrichtungen entwickeln soll. Erste Ergebnisse soll es bereits ab 2019 geben. Die Bundesregierung will aber keine halbe Lösung, sondern eine komplette Neubewertung der Pflegedienstleister.

Deshalb soll es bis 2019 auch keine kurzfristigen Lösungen geben. Der neue Pflege-TÜV muss wissenschaftlichen Infragestellungen Stand halten können. Zum Ende der Entwicklung soll ein erarbeitetes und für die Betroffenen nachvollziehbares Bewertungssystem entstehen. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen sich die Angehörigen noch gedulden und mit den bisherigen Pflegenoten auseinandersetzen.

 

Pflegenoten sollen mehr Aussagekraft bekommen

Nach Meinung von Gesundheitsminister Hermann Gröhe soll die Qualität der Ergebnisse eine viel gewichtigere Rolle spielen als bisher. Sehr gute Beurteilungen darf es nur geben, wenn die gesamte Pflege nachweislich auch gut und nicht nur gut gemeint ist. Die Qualität der Leistungen darf nicht nur dokumentiert werden, sondern muss auch bei den pflegebedürftigen Menschen ankommen.

Nach Gröhe darf es in Zukunft nicht mehr vorkommen, dass Pflegeheime durch schön dekorierte Räume und eine gute Speisekarte ihre Defizite in anderen Bereichen der Pflege ausgleichen. Die zukünftige Beurteilung muss noch mehr auf die eigentliche Qualität der Pflege eingehen. Pflegebedürftige Menschen brauchen verständliche und vergleichbare Informationen, anhand dieser sie sich für eine Pflegeeinrichtung oder einen Pflegedienst entscheiden können.

 

Zukunftspläne beim Pflege-TÜV

Die Bundesregierung sieht eine Einführung des neuen Bewertungssystems für die Jahre 2018 und 2019 vor. Bereits im Jahr 2018 soll der neue Pflege-TÜV für stationäre Einrichtungen gelten. Ab 2019 sollen dann auch ambulante Pflegedienste mit den neuen Pflegenoten beurteilt werden. Der zukünftige Plan sieht eine einmalige Begutachtung pro Jahr vor. Viele Kritiker stören sich jedoch an der Beibehaltung der alten Pflegenoten bis zum Jahr 2018.

Die CDU und die Grünen wollen ein sofortiges Ende des alten Systems, die SPD will erstmal das alte Bewertungssystem fortführen. Die Angehörigen können nun natürlich darauf hoffen, dass der Qualitätsausschuss ein sehr gut durchdachtes System entwirft, das auch einen echten Mehrwert bietet und das gezielt die relevanten Bereiche der Pflege überprüft. Pflegebedürftige und Angehörige haben das Recht auf eine Vergleichbarkeit der Qualität von Pflegeheimen und Pflegediensten. Diese muss also in Zukunft gewährleistet werden.

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